Über diesen Blog

  • : Blog von Walburga Hirschbeck
  • : Während der Zeit meines neun monatigen Freiwilligendienstes 2008/2009 ist mir Tansania und der afrikanische Kontinent ans Herz gewachsen. Eine Rückkehr nach Ostafrika stand am Ende fest. Nun ist es soweit. Mit einer Freundin mache ich mich am 24. August auf den Weg nach Äthiopien. Unser Plan ist eine Reise von Äthiopien nach Tansania...
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Thursday, 7. october 2010 4 07 /10 /Okt. /2010 11:38

Bevor ich wieder nach Hause fliege, habe ich es endlich geschafft Bilder aus Aethiopien und ein paar aus dem Somaliland hochzuladen. Es war ein komplizierter Akt ein Intenetcafe mit entsprechenden Kapazitaeten zu finden, obwohl ich vorher alle Bilder verkleinert habe...

Nun ist es doch schon schwieriger als gedacht wieder einmal Abschied zu nehmen. War doch eine schoene Zeit. Mwanza ist eine besondere Stadt. Carlos nennt sie scherzhaft den Bauchnabel der Welt, weil alle Leute wieder kommen und sich dort wieder sehen...ein bisschen war das so. Gleich gehen wir noch ein bisschen einkaufen (soviel ich im Rucksack schleppen kann)...

Heute Nachmittag werde ich dann wieder den lieb gewonnenen Hisani Kids Tschuess sagen muessen, das ist am schwierigsten, weil sie es nicht so recht verstehen koennen, dass ich nur fuer so eine kurze Zeit gekommen bin.

Abends gehen wir dann nochmal mit Freunden aus, da freue ich mich drauf, auch wenn es ein Abend des Abschieds wird.

Morgen um 13 Uhr fahren wir dann mit dem Bus wieder nach Nairobi. Wir haben einen Puffer von 24 Stunden bis zum Abflug, falls es eine Buspanne gibt.

Sonntag in der Frueh um 4 Uhr hebt dann der Flieger ab...auf der einen Seite freue ich mich sehr auf das Leben in Deutschland, dass es wieder weiter geht mit dem Studium, dass ich Freunde wieder sehe, auf der anderen Seite mag ich Tansania bzw. die ostafrikansichen Laender mit ihrer Kultur und Leuten schon gerne, auch wenn die Umstaende manchmal nicht angenehm sind...

von Walburga Hirschbeck
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Monday, 27. september 2010 1 27 /09 /Sept. /2010 12:18

Am Freitagmittag sind wir in Mwanza angekommen. Nach nur 14 Stunden Busfahrt von Nairobi nach Mwanza bin ich hier gut angekommen. Es war irgendwie komisch wieder durch Mwanza zu fahren. Auf der einen Seite hat es sich angefuehlt als waere man nicht weg gewesen, auf der anderen Seite sieht man Veraenderungen im Stadtbild (es gibt nun eine funktionierende Ampel, die halbwegs eingehalten wird) und entdeckt neue Dinge. Die ersten zwei Tage verbrachten wir damit alle Sachen mit Insektiziden einzuspruehen, alle Klamotten mit heissem Wasser zu waschen und zu buegeln...ich haette mir eine schoenere Ankunft vorstellen koennen, aber die Bettwanzen waren wichtger...

Jana, eine der TUNAWEZA GruenderInen hat uns dafuer Haus, Garten und Spraydosen bereitgestellt. Das hat einiges erleichtert.

 

An Samstagnachmittag haben wir bei dem woechentlichen Frisbee Spielen die viele unserer alten Freunde wieder gesehen. Es war wirklich schoen alle wieder zu sehen, mit ihnen zu quatschen und News auszutauschen. 

 

Am Sonntag haben wir Sophie, eine tansanische Freundin, besucht, die in die Secondary School geht. Da nur jeden letzten Sonntag im Monat Besuchstag ist und sie sonst auch nicht raus darf, war das die einzige Moeglichkeit sie sie zu sehen. Die Regeln in einer privaten Secondary School sind schon etwas anders als in Deutschland. Wenn man Kiswahili redet, muss man mit einem Schild herumlaufen, dass man Kiswahili gesprochen hat, man darf kein Handy besitzen, es gibt kein Internet,...

Am Sonntagnachmittag sind Elena, Anna-Lena und ich dann noch zu Hisani gefahren. Es war bisher die schoenste Begegnung. Als ich durchs Tor kam, sind alle Kinder, die da waren, auf mich zu gestuermt. Sie wussten ja nicht, dass ich kam. Es war wirklich schoen die Kids wieder zu sehen. Sie sind alle ein bisschen groesser, aber sonst die alten kleinen und grossen Racker. Die grossen Jungs waren schon etwas zurueckhaltender, aber haben sich auch sichtlich gefreut...viel Gefuehle zeigen koennen sie nicht, dafuer gibt es im Hisani Center wenig Raum.

 

Gestern waren Anna-Lena und ich in der Stadt. Wir haben Stoffe eingekauft, die wir noch zum Schneider bringen wollen. Ich bin an alten Plaetzen vorbei gelaufen, wir ahben zusammen in einem meiner Lieblingslokale gegessen und um Preise auf dem Markt gefeilscht...ganz wie vor einem Jahr...aber auch irgendwie anders.

Abends waren wir bei dem woechentlichen Yoja am Strand des Viktoria Sees. Dort habe ich Rose nud ein paar andere Leute wieder getroffen. Da war das Wiedersehen, das Schnacken und News austauschen wichtiger als Yoga. Rose, eine Kanadierin, hat mit mir einige Zeit in Hisani gerabeitet und hat nun ihre eigene NGO. Leider habe ich von ihr unschone Nachrichten von Hisani bekommen. Sie hat mehr Infos ueber interne Ablaufe und hat mir ueber den Geldermissbrauch von Fred erzaehlt. Das gewisse Misstrauen meinerseits gegenueber ihm hat sich daher bestaetigt. Es ist schade wie viel Geld Leute veraendern kann, aber ich bin froh nicht mehr in Hisani zu arbeiten. Fuer mich ist dieser Aufenthalt in Mwanza eine Art Abschied. Das Daladala, das ich damals mit Rose erworben habe, ist gluecklicherweise in Betrieb (ich sehe es oefter auf der Strasse). Es war eine sinnvolle Anschaffung und erfuellt ihren Zweck. Ich bin froh, dass ich die Spendengelder dafuer verwendet habe, da ich nun sicher sein kann, dass es wirklich unterwegs ist und weiss, dass das Geld genau dafuer verwendet wurde.Der Brunnen ist im Moment im Bau...die Baustelle ist sichtbar, heute werde ich mal wieder hinschaun wie weit alles ist.

 

Ansonsten versuche ich mich die letzten Tage hier in Afrika noch zu erholen. Ich geniesse die vielen leckeren Fruechte und das frische Gemuese vom Markt, die Chips Maiai vom Strassenrand, die gemeinsamen Abende mit Freunden, mit den Hisani Kids etwas zu unternehmen, in unsere Lieblingsdisko zu gehen, mich mit Emma, dem Mann, der uns immer Chapati verkauft zu unterhalten...uvm

Irgandwie ist es aber auch ein Abschiedsaufenthalt hier. Ich habe das Gefuehl, dass ich erstmal nciht so bald wieder hierher kommen moechte. Nach meinem Freiwilligendienst war noch so vieles offen, was geklawert werden musste. Nun ist das anders. Ich bin mit

von Walburga Hirschbeck
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Wednesday, 22. september 2010 3 22 /09 /Sept. /2010 13:27

Nach drei Tagen sind wir endlich in Nairobi angekommen. Die knapp 1600 KIlometer waeren in 2 h Flug bequemer und einfacher zu bewaeltigen gewesen, aber mit umgerechnet 28 Euro fuer diese Strecke und vielen interessanten Begegnungen, hatte auch diese Busreise einige Erfahrungen mit sich gebracht.

Am Sonntagmorgen sind wir mit einem Klein Reisebus in Richtung Moyale aufgebrochen. Man haette diese Strecke an einem Tag schaffen koennen. Unser Bus machte jedoch nach acht Stunden einen Uebernachtungsstopp in Dilla. Von dort aus ging es am Montag weitere acht Stunden nach Moyale. Der Busfahrer hatte es nicht eilig und wir fuhren schaetzungsweise nie schneller als 80 Kmh. Das nervtoetenste an dieser zwei Tage Busfahrt war jedoch die laute Musik. Die Busse sind teilweise die letzten Transportmittel, aber alle haben einen Fernseher und oft, wie bei uns diesmal auch, einen DVD Plyer. In einer ohrenbetaeubenden Lautstaerke, dass jeder Fahrgast Tinitus bekommen muesste, mussten wir die Haelfte der Zeit DVDs mit singenden und schaukelnden, aethiopisch-orthodoxen Priestern, die digital vor die bekanntensten Bauwerke Aethiopiens eingesetzt wurden, hoeren. Die diplomaitschen Versuche die Lautstaerke zu minimieren, waren nur selten erfolgreich.

Am Dienstagmorgen sind wir in einem groesserem Bus von kenianischer Seite der Grenzstadt Moyale in Richtung Nairobi aufgebrochen. Da wir nicht 24 Stunden am Stueck fahren wollten, war zunaechst unser Plan in der Stadt Isilo zu uebernachten und am naechsten Tag mit einem anderen Bus den Rest der Strecke hinter uns zu bringen. Wie immer war in der Frueh zu dem Zeitpunkt der Abfahrtszeit noch kein Passagier im Bus. Es wurde erstmal begonnen alles aufs Dach zu packen. Als um kurz vor neun als alle Passagiere endlich sassen und immer noch gewartet wurde, habe ich den zustaendigen Kondaktor gefragt, wieso wir nicht losfahren. Als ob es ganz verstaendlich waere, meinte er, dass der Fahrer noch sein Miraa isst, damit er bis Nairobi wach bleibt. Miraa bzw. Chat ist eine Pfalnze, die hier ueberall als Droge (Aufpuschmittel) gegessen wird. Da fuehlte ich mich dann schon etwas unwohl mit diesem Fahrer in den Bus zu steigen. Da die "Strasse" Stein- und Sandpiste war, konnte er wenigstens nicht so schenll fahren.

Bei unserer ersten Pause kam der Fahrer zu uns (ziemlich zugedroehnt mit dem Zeug) und fragte Daniel, ob er nicht eine von uns heiraten koennte....

Bei diesem Stopp wurden wir auch gleich von einem einem Kamarateam aus Nairobi gefilmt und interviewt. Ironischerweise waren sie dabei eine Doku ueber die Strassensicherheit zwischen Moyale und Isiolo zu machen. Die zwei netten KeninerInnen eines Regionalfernsehsenders fuhren daher die ganze Srecke mit, um live dabei zu sein, wie so eine Reise denn abgeht.

Am Ende des ersten Stopp lernten wir dann noch den Chef der Nordkeniaregion kennen. Aus Gastfreundschaft bezahlte er uns das Essen. Wir kamen mit ihm ins Gespraech. Er ist so eine Art Fuehrer des Islams in Nordkenia und war ebenfalls auf der Reise nach Nairobi. Von dort wird er bald zu einer Konferenz ueber Genitalverstuemmelung bei Frauen in den Sudan fliegen. Er plant gerade ein Programm gegen Frauenbeschneidung in Nordkenia (ueberwiegend muslimisch). Sehr interessant seine (fuer mich total aufgeklaerte)Meinung zu hoeren. Es war nach dem kurzen und teilweise schockierenden Besuch im Somaliland eine tolle Begegnung mit einem ziemlich sreng glaeubigen, aber auch sehr offenen und sensiblen alten muslimischen Mann. 

Die weitere Strecke zog sich sehhr lange hin. Immer wurden wir von Polizei- oder Militaerkontrollen angehalten. Nach Aussagen andere Fahrgaeste war es nicht immer legitim, sondern auch Schikane.

Einige Pausen waren auch noetiog, um am Bus etwas zu reparieren.

Das Fernsehteam hatte leider vergeblich gehofft, dass unser Bus ueberfallen wird (waere eine bessere Story geworden). In den letzten Jahren kam es bei Busreisen in Nordkenia immer wieder zu Ueberfaellen, wobei es so gut wie immer um Geld oder Essen ging und keine Menschen  verletzt wurden.

Da wir erst um halb zwei Uhr nachts in Isiolo ankamen und nachmittags kein Hostel mehr reservieren konten, entschieden wir uns spontan bis Nairobi weiter zu fahren.

Heute morgen um neun Uhr kamen wir fertig, dreckig und stinkend in Nairobi an. Bin froh hier zu sein. Ich mag Nairobi gerne. Die warme Dusche hat extrem gut getan. Morgen geht es dann nach Mwanza weiter. Ich freue mich aufs Ankommen, wobei ich mich gar nicht traue Leute zu umarmen, da ich Angst habe meine Bettwanzen weiter zu tragen...

von Walburga Hirschbeck
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Saturday, 18. september 2010 6 18 /09 /Sept. /2010 18:09

Nach zwei Tagen in Gondar sind wir am Montagabend in Lalibela angekommen. Der Ort wird von vielen (Aethiopiern) als der schoneste Ort Aethiopiens bezeichnet. Der Ort ist sehr doerflich und klein. Trotz vieler Touristen ist die Infrastruktur auf dem Weg dorthin nicht gut ausgebaut ist. Wahrscheinlich fliegen sehr viele. 

Lalibela  ist vor allem fuer die elf orthodoxen Kirchen bekannt, die im 12./13. Jahrhundert mit Hand aus rotem Basaltlava gemeiselt wurden. Der damalige Kaiser Lalibela liess die Kirchen als ein neues Jerusalem erbauen. Die Kirchen sind aus einem einziegen Felsen gemeiselt und haben teilweise filigrane Verzierungen. Heute gehoeren die Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Fuer fromme Christen aus Aethiopien ist das ehemalige Roha heute noch eine Pilgerstaette. Diese kleine Flesenstadt war wirklich einen Besuch wert. 

Zwei Tage waren fuer mich in dem Dorf genug. Mich hat Addis wieder angezogen, eine pulsirende Grosstadt mit viel Gewusel. Aber Lalibela hat auch eine schoene Erfahrung ausserhalb der Bauwerke mit sich gebracht. Als wir vier an einem Nachmittag neben der Strasse auf einer Mauer sassen, gesellten sich immer mehr Kinder neben uns. Wir unterhielten uns und scherzten mit ihnen. Eigentlich ist es Kindern in Lalibela verboten sich mit Weissen/Touristen zu unterhalten. Wahrscheinlich will die Polizei unterbinden, dass die Kinder mit Touristen Geld verdienen (als Guide oder wenn sie ihnen den Weg zeigen) und dadurch nicht in die Schule gehen. Oder es wurden nach Beschwerden haertere Sanktionen eingefuehrt. Uns alle hat es gewundert, dass uns den ganzen ersten Tag keiner um Geld gefragt hat oder uns anglabert hat. Als dann aber die Kinder, die sich zu uns gesellten immer davon liefen als die Polizei vorbei lief und danach wieder kamen, erklaerten sie uns, dass sie entweder verpruegelt oder 300 Birr strafe zahlen muessen, wenn sie Weisse ansprechen. Diese Sanktionen sind ziemlich assozial und tragen nicht viel zur interkulturellen Kommunikation bei. Die Kinder liessen sich aber nicht abschrecken, da sowohl sie als auch wir viel Spass hatten. Nach einiger Zeit hat mich ein Junge zu sich nach Hause eingeladen zu einer Kaffeezermonie. Zuerst war ich misstrauisch, da ich nicht wusste, ob er dafuer Geld will. Kaffeezermonien sind in Aethiopien eine Tradition. Wir vier haben also in der kleinen, nach Ziege riechenden Holz- und Lehmhuette Kaffee getrunken, den die Schwester des Jungen auf einem kleinen Ofen zubereitet hat. Es war wunderbar mit den ganzen Kinder, den Freunden der Kinder und dem Vater, der gerade von der Arbeit kam sich zu unterhalten. Ein Student aus dem Viertel hat sich ebenfalls dazu gesellt und uebersetzt. Mit ihm konnte ich mich von Nuklearwaffen im Iraq bis zum Israel Palaestina Konflikt unterhalten. Obwohl das Dorf total abgeschieden wirkte, waren wichtige News auch dort angekommen.

Nachdem wir den Donnerstag als einen Ausruh-und-Kraft-tank-Tag fuer die Busfahrt nutzten, startete am Freitagmorgen um vier Uhr einem Minibus die Reise nach Adis. Gestern Abend (16 Stunden Fahrt) sind wir in Addis angekommen. Auf der Fahrt nach Adis, hatten wir uns entschieden die Strecke Addis-Nairobi zu fliegen, falls wir einen Flug um die 100 Euro bekommen. Auf der Strecke von Lalibela nach Adis kamen wir an 12 Unfallstellen vorbei, die teilweise ziemliche Horrorvorstellungen ausloesten. Hier wird gerast, dass es ziemlich oft kracht. Da wir heute fuer die naechsten Tage keinen guenstigen Flug mehr gefunden haben, nehmen wir nun aber die urspruengliche Busvariante. Fuer umgerechnet acht Euro haben wir heute ein Busticket fuer morgen an die kenianische Grenze, nach Moyale, erhalten. Die Reise dauert zwei Tage. Da die Strasse asphaltiert sein soll, wird es nicht so schlimm werden, ausser der Fahrer rast. Erst in Nordkenia beginnen die schlimmen Schotterstrassen.

Im Moment machen mir noch die kleine Tiere sorgen, wahrscheinlich sind das Bettwanzen, die ich nun mit mir herumtrage. Die Bisse oder Stiche breiten sich am ganzen Koerper aus und jucken extrem. Wahrscheinlich reagiere ich allergisch. In irgendeinem Hostel habe ich mir die Tiere eingefangen. Es ist wirklich eine Horrsorvorstellung fuer mich, wenn ich daran denke, wie die Tiere Eier in meine Klamotten legen. Nun freue ich mich noch mehr auf Mwanza. Dort muessen wir eine Waschaction starten und alles mit heissem Wasser waschen und die Rucksaecke mit Insektiziden einspruehen. Heute war ich  daher noch im Krankenhaus. Sie konnten auch nicht viel machen..aber der Malariatest war gluecklicherweise negativ. 

von Walburga Hirschbeck
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Sunday, 12. september 2010 7 12 /09 /Sept. /2010 13:16

Nach dem aethiopischen Kalender hat gestern das Jahr 2003 begonnen. Wie bei uns an Neujahr wurde auch hier der Feiertag sehr festlich zelebriert. Ueberall wurden bunte Kitschkarten mit Neujahrsgruessen verkauft. Die Tage vorher begegneten uns auf allen Transportmitteln (Boot, Bus) Ziegen, Huehner und Schafe, die zu Neujahr alle geschlachtet werden sollten. Jeder kaufte noch irgendwo unterwegs ein Schaf oder ein Huhn, die dann im Kofferraum, zwischen den Fahrgaesten oder auf dem Dach verstaut wurden. Fuer die traditionelle Kaffeezermonie wurde an jeder Strassenecke noch Gras verkauft, mit dem der Boden ausgelegt wurde. An Sylvester war  nicht viel los. Wenige Kneipen hatten offen und das kleine Feruwerk war sehr kurz. Eigentlich beginnt der Tag in Aethiopien sowieso erst um sechs Uhr in der Frueh. Sieben Uhr in der Frueh ist hier die erste Stunde. Auch wir waren nach einem kurzen Kneipenbesuch schon um zwoelf (europaeische Uhrzeit) im Bett. Da wir oft Busse um fuenf oder sechs Uhr morgens nehmen, hat sich mein Schlafrythmus umgestellt. Am Neujahrstag, also am 11. September, feierten die meisten Leute mit der Familie und gingen in die Kirche. Die meisten Menschen, denen wir begegneten, waren sehr schick (mit Glitzer, Glanz und Glimmer) gekleidet. Andere trugen die Schafsfelle noch ueber die Strassen und auf den Gehwegen sah man vereinzelt Maegen, Fuesse oder andere nicht verwertbare Tierkoerperteile.

 

Die Tage von Dienstag bis Donnerstag in Bahir Dar waren wir viel unterwegs. Mit gemieteten Fahrraedern erkundeten wir die Gegend, fuhren mit einem Boot ueber den Lake Tana zu einem alten orthodoxen Kloster (ganz anders als westliche Kloester: runde Gebaeude, viele bunte, fuer mich kitschige Wandmalereien mit Drachen und Kampfszenen) und machten eine kleine abenteuerliche Tour im TukTuk (dreiraedriges Gefaehrt) zu den Blue Nile Falls. Der Blaue Nil (wegen der Regenzeit leider ganz braun) entspringt in der Naehe von Bahir Dar. Die gewaltigen Wassermassen und die atemberaubende Hoehe waren fantastisch.

 

Seit Freitagnachmittag sind wir in Gondar. Nach dem gestrigen Sightseeing Tag (Royal Enclusure gehoert zum Weltkulturerbe), legen wir heute einen chilligen Tag ein. Viel Macchiatto, Internet und gemuetlich Pool spielen ist angesagt.

Neben dien Strassen werden allerlei Sachen verkauft, von Seifendosen ueber einzelne Klopapierblaetter bis hin zu Buechern. Die letzten Tage habe ich mehrmals bei Strassenhaendlern, die Buecher verkaufen das "Tagebuch der Anne Frank" gesehen. Obwohl es in Amarisch (komplett andere Schriftzeichen) gedruckt war, konnte ich aufgrund des Titelbildes das Buch erkennen. Es hat mich positiv ueberrascht, dass das Buch sogar ins Ahmarische uebersetzt wurde und hier anscheinend auch gelesen wird.

Wenn wir durch die Strassen gehen, werden wir aehnlich wie Tansania immer wieder angebettelt oder angelabert. Einige Weisse sagen, dass es hier extremer als in Tansania ist. Ich kann dem nicht zustimmen, aber ich hatte diese "Eigenheit" bei Reisen in Ostafrika irgendwie vor dem Reiseantritt verdraengt. Eigentlich bin ich daran gewoehnt und weiss wie ich damit umzugehen habe. Wenn man aber keine 100 Meter gehen kann ohne dass Kinder und Erwachsene Sprueche wie "give me money/birr" (aethiopische Waehrung), "one birr, one birr", "I love you", "You are so beautiful" bringen oder mir nicht mehr von der Seite weichen, weil sie mir eine Touri Tour ueber 200 Dollar in die nahegelegnen Bergen andrehen wollen, ist das Reisen hier sehr anstrengend und ich sehne mich danach einfach durch die Strassen gehen zu koennen und eine unter vielen zu sein. Manchmal nehme ich das mit Humor, manchmal mit scharfer Zurueckweiseung und manchmal mit Ignorieren.

 

Morgen werden wir nach Lalibela fahren. Nach zwei Tagen in Lalibala beginnt die knueppelharte Reise mit Bussen nach Mwanza. Ich habe schon etwas Angst davor. Mir kommt es wie die Ruhe vor dem Sturm vor. Der Plan ist zwei Tag nach Adis, nochmal Kraft tanken, dann zwei oder drei Tage zur Grenze nach Moyale (zwischendurch einen Tag Pause), von dort in zwei Tagen durch Nordkenia nach Nairobi, nach einem Tag Pause die letzte Etappe nach Mwanza. Die Strecke koennte man wahrschenlich in zwei Stunden mit dem Flugzeug fliegen...aber fuers Klima, den Geldbeutel und fuer die Augen ist eine Reise im Bus besser und spannender. ich hoffe, dass alles gut geht, wir nicht zu viele geplatzte Reifen haben werden, sich die Musik und die Lautstaerke in den Bussen im Rahmen haelt und wir uns nach fuenf Tagen im Bus noch riechen koennen...

von Walburga Hirschbeck
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